50 Jahre Dojo Tokon Braunau und 33. Österreichische Meisterschaft
verfasst am 04.08.2025 von Erika Haslberger-Nigl
Als vor 50 Jahren Alexander Schifferer von unserem geschätzten Bundestrainer Norio Kawasoe shihan den Auftrag erhielt, in Braunau am Inn ein eigenes Dojo (Trainingsstätte) zu gründen, konnte niemand ahnen, welche weitreichende Entwicklung damit angestoßen wurde. Das Interesse an der Kampfkunst war groß – Schüler:innen aus nah und fern fanden ihren Weg nach Braunau. Die Zahl der Trainierenden stieg stetig an.
Langjährige Weggefährten von Kawasoe shihan gründeten vor allem im Bezirk Braunau, in Ried, Schärding, aber auch in Straßwalchen, Henndorf, Wien, Innsbruck und vielen weiteren Orten in Österreich eigene Dojos. Überall wird dort bis heute traditionelles Shotokan Karate-Do im Sinne von Kawasoe shihan unterrichtet. Mit dem Dojo Tokon Braunau wurde der Grundstein für viele Vereine in der SKIAF (Bundesverband) gelegt. Heute zählt der Verband eine beachtliche Mitgliederzahl. Die Verantwortlichen tragen die Lehre unseres leider viel zu früh verstorbenen Bundestrainers mit großem Engagement und überregional weiter. Die nächste Generation der ursprünglichen Schüler steht bereits bereit – und führt die Lehre mit Stolz und Ehre fort.
All das verdanken wir nicht nur Kawasoe shihan, sondern auch seinem wohl treuesten Schüler, Freund und Wegbegleiter in Österreich und Deutschland: Alexander Schifferer (7. Dan). Er feierte heuer im Frühjahr seinen – kaum zu glauben – 75. Geburtstag. Seit 50 Jahren steht er unermüdlich an der Spitze des Dojo Braunau/Simbach und lässt es sich nicht nehmen, noch immer zweimal wöchentlich selbst den Karate-Gi (=Karate Anzug, Trainingsgewand) anzuziehen, um Kindern wie Erwachsenen die ersten Schritte zu zeigen. Auch wir „Älteren“ wurden einst von ihm in der gleichen Weise auf den Karateweg geführt – nur sind seine Kommandos heute etwas ruhiger als noch vor 20 oder 30 Jahren. 😉
Feierlicher Rahmen: Jubiläum und Meisterschaft vereint
50 Jahre Dojo Tokon Braunau – das war natürlich ein würdiger Anlass zum Feiern! So wurde die heurige 33. Österreichische Meisterschaft von unserem Dojo ausgerichtet. Trotz des langen Wochenendes und sommerlicher Badetemperaturen folgten viele Teilnehmer:innen aus ganz Österreich der Einladung. Die hohe Anzahl an Startern – von Kindern über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen – ermöglichte es, Bewerbe in 15 verschiedenen Kategorien durchzuführen. Kata (Formen) wurde ab dem Gelbgurt, Kumite ab dem 15. Lebensjahr und ab dem 5. Kyu (1. Violettgurt) ausgeschrieben.
Die Eröffnungsrede hielt Alexander Schifferer, gefolgt vom Vizebürgermeister der Stadt Braunau. Auch der Dachverband ASKÖ war durch seine Obfrau Erika Pendelin vertreten. In ihren Dankesworten würdigte sie das Jubiläum des Vereins und überreichte Alexander Schifferer eine Ehrenurkunde.
Kata mit Herz und Respekt
Im Anschluss begannen die ersten Bewerbe – mit den jüngsten Teilnehmer:innen. Für viele war es das erste Mal, eine Kata vor fünf Kampfrichtern zu zeigen. Man erkannte die Nervosität in den scheuen Blicken und kaum hörbaren Kiai-Rufen (Kampfschrei, Anm.). Doch Kata ist mehr als nur Technik: Sie verbindet Rhythmus, Kraft, Schnelligkeit und geistige Konzentration. Mit zunehmender Graduierung wird deutlich, wie Kata einen Kampf gegen imaginäre Gegner darstellt – und wie aus kleinen Knospen (Weißgurten) über die Jahre kraftvolle Bäume (Schwarzgurte) heranwachsen. Auch die Leistungen der Anfänger verdienen höchsten Respekt – denn durch stetiges Üben und Lernen wachsen sie Schritt für Schritt über sich hinaus.
Kumite: Spannung, Technik und Fairness
Nach der Mittagspause folgten die Kumite-Bewerbe (Freikampf). Im Freikampf messen sich Jugendliche und Erwachsene in Angriff, Abwehr und Kontertechniken. Manchmal müssen Vereinskollegen gegeneinander antreten – das lässt sich trotz bester Planung nicht immer vermeiden. Dabei kann es vorkommen, dass Favoriten bereits in den Vorrunden ausscheiden. Doch ganz gleich, aus welchem Dojo jemand stammt – im Kampf herrscht Respekt, und danach gibt es oft ein freundschaftliches Schulterklopfen. Ein fairer Kampf ist ein guter Kampf.
Der Höhepunkt: Nationalteam auf der Matte
Der Finalkampf der Herren war ohne Zweifel der Höhepunkt des Tages: Luca Brodinger (Dojo Straßwalchen) traf auf Dominik Piereder (Dojo St. Georgen/Filmannsbach) – beide Mitglieder des österreichischen Nationalteams. Sie zeigten eindrucksvoll, wie technisch sauberes und faires Kumite auf höchstem Niveau aussieht. Nach einer kurzen Unachtsamkeit von Luca traf Dominik mit einem Fauststoß – es sah zunächst nach einer möglichen Verletzung aus, doch es gab schnell Entwarnung. Der Kampf wurde fortgesetzt, ging in die Verlängerung, und schließlich konnte Luca Brodinger das Duell für sich entscheiden.
Würdiger Abschluss mit einer besonderen Überraschung
Zum Abschluss erfolgte die Siegerehrung. Nach Medaillen und Pokalen gab es noch eine besondere Überraschung: Die zehn herausragendsten Teilnehmer:innen erhielten ein Duplikat eines einzigartigen Fotos – es zeigt den 2019 verstorbenen Weltcheftrainer und Stilbegründer Hirokazu Kanazawa soke in einer Kampfszene mit unserem Bundestrainer Norio Kawasoe shihan – beide mit Originalunterschrift. Einer der Geehrten sagte: „Über dieses Geschenk freue ich mich mehr als über die heute gewonnenen Medaillen.“ Eine Aussage, die alle verstehen können, die Kawasoe shihan persönlich kannten oder das Glück hatten, unter ihm zu trainieren.